Eine Oper in Verona

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In Verona legen wir nur einen kurzen Stop ein, denn ursprünglich stand diese Stadt gar nicht auf dem Plan. Wieso nur? Das frage ich mich jetzt. Spontan hatten wir am Gardasee zwei Karten für die Oper bestellt. Eine italienische Oper in einem antiken Aphitheater, das ist genau mein Ding. Bei Malte musste ich schon ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, aber mir zu liebe, sagt er zu.

Wir kommen bereits am Vormittag in Verona an und finden recht zügig einen Campingplatz. Die junge Frau an der Rezeption ist sehr nett und wir haben Glück noch einen Platz auf dem Gelände zu bekommen, denn es ist nicht sonderlich groß. Wir wohnen am Stadtrand, auf einem kleinen Berg.

Der Abend kommt schnell und nach einer fixen Dusche geht es auch schon in Richtung Stadt. Die nette junge Frau an der Rezeption hat uns den Weg erklärt, im Prinzip läuft man nur 300 Meter und dann geht es nur noch Treppen hinab. Wir laufen also einige Meter, als wir eine Art Terrasse vorfinden, von der man einen Großartigen Blick auf die Stadt hat! Hier sitzen bereits viele Pärchen, aber auch Gruppen von Freunden, die sich Wein und kleine Leckereien mitgebracht haben und auf der von der Sonne aufgewärmten Mauer sitzend, die Aussicht genießen. Wir verharren einige Augenblicke und genießen die Atmosphäre. Die Stufen der Treppen beginnen und wir laufen 10 Minuten hinunter. Neben uns befinden sich schöne Häuser und das erste Mal sehen wir einen Granatapfelbaum. Unten angekommen laufen wir über eine alte Brücke, die in das Altstadtzentrum führt. Es ist traumhaft hier und ich bereue, dass wir nur diesen einen Abend hier sein können. Die mediterranen Farben,  die hölzernen Fensterläden dazu der Fluss und die engen Gassen – ein traumhaftes Stadtbild. Ich bin mir bereits sicher, dass ich wieder kommen werde.

Wir erreichen das Amphitheater, die Arena genannt, im Stadtkern. Es ist bereits ordentlich was los. Nach einiger Zeit finden wir den richtigen Eingang. Wir haben Karten für die Steinstufen im oberen Bereich. Hier gibt es natürlich keine Sitzplatz Nummerierung, deshalb helfen die Platzanweiser dabei, alle Menschen vernünftig zu verteilen. Es wird fast etwas kuschelig. Ich habe mich vorbereitet, deswegen haben Malte und ich Kissen dabei. Zwei bis drei Stunden auf hartem Stein könnte nämlich unbequem werden. Als das Chaos von Platzsuchenden sich langsam beruhigt, kommen die ersten Verkäufer auf den Plan. „Libretto, Libretto“, wird lautstark durch die Reihen gerufen. Selbstverständlich gibt es auch Getränke, die aus einem Bauchladen heraus, verkauft werden. Für mich gibt es einen Piccolo Weißwein und Malte entscheidet sich für eine Cola. Gespannt warten wir auf den Beginn der Oper. Es ist immer noch muckelig warm und die aufgeheizten Steine, auf denen wir sitzen tun ihres dazu, dass es den ganzen Abend lang nicht kalt wird. Nachdem wir einige Zeit auf unserem Platz sitzen, es inzwischen 20 Uhr, beginnen die Menschen Kerzen anzuzünden, was hier in der Arena eine Tradition ist. Ein tollen Bild.

Der Sprecher macht eine Ansage. Wir alle wollen gemeinsam eine Gedenkminute einlegen für die Opfer des schrecklichen Erdbebens, das sich nahe Rom ereignet hat. Noch immer suchen die Helfer nach Überlebenden, inzwischen hat es bereits 249 Menschenleben gefordert. Alle Menschen halten inne und Gedenken der Toten und ihrer Familien.

Die Vorstellung beginnt. Aufgeführt wird Turandot von Puccini. Die Menge der Statisten und Darsteller auf der Bühne ist immens und auch das Orchester trumpft mit seinen vielen Musikern auf. Das Bühnenbild ist gigantisch und wechselt nach der Pause sogar sein Erscheinungsbild. Die Atmosphäre hier ist sehr besonders. Man sitzt unter dem Sternenhimmel in einem Theater, das erstmals 30 n. Chr. erbaut wurde und schaut eine Oper eines bedeutenden italienischen Komponisten. Für mich ein totales Highlight und auch Malte scheint es zu gefallen. Als dann auch noch eine Sternschnuppe am Himmel aufblitzt, wird es schon fast kitschig schön. Zum Glück gibt es eine englische Übersetzung, die in großen Buchstaben über dem Geschehen gespielt wird. Wir haben nämlich leider nur sehr dünn recherchiert und sind der Handlung nur sehr grob mächtig.

Man muss ehrlich sagen, dass die Akustik auf den oberen Rängen doch etwas zu wünschen übrig lässt. Aber die ganze Atmosphäre ist wirklich außergewöhnlich. Besonders schön empfinden wir, dass es keine typisch spießige Veranstaltung ist. Hier darf gegessen und getrunken werden und Ausrufe der Begeisterung wie „Bravo“, sind erwünscht und begleiten den ganzen Abend. Es war ein Erlebnis und wir können es jedem wärmstens empfehlen. Die Karten bekommt man online und sie beginnen bereits bei 21€, was sie für wirklich jeden erschwinglich macht. Wer richtig auf den Putz hauen möchte, kann für 180€ dicht an der Bühne in dem bestuhlten mittleren Teil platz nehmen. Alternativ kann man das Amphitheater auch am Tag besichtigen, allerdings kostet der Eintritt 10€ und dann lohnt es wirklich etwas draufzulegen und die Arena di Verona bei Nacht zu erleben.

1 Kommentar

  1. Moin Moin Weltenbummler!
    Mir ist gerade aufgefallen, daß Maltes Gesichtsausdruck auf allen Fotos gleich ist :-) Dafür gefällt mir dein Bart! 😉
    Mit Oper hätte ich auch so meine Probleme. Das ist, so glaube ich, nicht meine Welt. Allerdings habe ich auch noch nie eine Oper besucht. Und eure Beschreibung und die Fotos laden wirklich zu einem Besuch ein.
    Weiterhin gute Reise wünscht euer Alex!

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