Rumänien – Erster Eindruck

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Wir fahren über die rumänische Grenze. Ich kann es nicht anders sagen, es herrscht ein gewissen Unwohlsein. Das liegt wohl überwiegend an den kursierenden Vorurteilen. Viele unserer Bekannten hatten uns gefragt, was wir denn in Rumänien wollten. Es ist irgendwie schade, dass das Land so einen schlechten Ruf hat. Leider hat der Großteil der Oststaaten mit diesen Klischees zu kämpfen. Wir wollen uns vom Gegenteil überzeugen.

Zu aller erst können wir uns nicht davon überzeugen, dass die Straßen in Rumänien so schlecht sind, wie alle behaupten. Schließlich kommen wir über eine recht gute Landstraße und die Autobahn fast bis nach Sibiu, Hermannstadt. Die Landschaft bis dort hin ist wirklich schön und es macht richtig Spaß aus dem Fenster zu sehen. Die Dörfer sind ganz einfach anders, als bei uns. Die Häuser älter und baufälliger. Die Gärten werden zum Gemüseanbau genutzt und traditionell gekleidete Menschen sitzen, meist auf der Erde, vor ihrem Hab und Gut.

Als die Autobahn A1 endet, sind die Straßenverhältnisse dann doch etwas… nennen wir es gewöhnungsbedürftig. Von unseren perfekt geteerten Straßen keine Spur. Hier gibt es einen kleinen Stellplatz. Er ist etwas schwierig zu finden und von außen auch erst beim zweiten Hinsehen erkennbar. Es ist ein Wohnhaus mit einem großen Gartentor, an ihm eine Camperfahne. Bei unserer Recherche zum Thema Schlafplatz mussten wir feststellen, dass es in Rumänien wesentlich weniger Camping -und Stellplätze gibt, als wir es gewohnt sind. Wir fahren durch das Tor und werden von einem netten Herrn und seiner kleinen Tochter begrüßt. Wir stellen unseren Wagen auf der recht beschaulichen Wiese ab und begrüßen uns. Der sympathische Mann empfängt uns herzlich und zeigt uns Badezimmer, Wlan-Passwort und Gemeinschaftsraum, dann bringt er uns eine Landkarte und zeigt uns, was wir uns hier in der Nähe ansehen sollten. Selten wurden wir so herzlich aufgenommen.

Wir entscheiden uns einen kleinen Spaziergang zu machen. Mit Tarta an der Leine laufen wir ein Stück die Straße entlang. Es gibt hier keine Bürgersteige und nett gepflasterte Straßen, nur eine geteerte Fahrbahn mit Schlaglöchern und einem dünnen Sandstreifen zu beiden Seiten. Von der Seite bellt uns direkt der erste Hund an. Natürlich wissen wir, dass es in Rumänien unzählige Straßenhunde gibt, aber zu Fuß sind wir noch keinem begegnet. Man muss dazu sagen, dass man oftmals nicht feststellen kann, ob es sich um einen wilden Hund handelt oder ob er zu jemanden gehört. Denn streunen tun sie eigentlich alle, im Falle sie werden nicht an der Kette gehalten. Was leider auch sehr oft der Fall ist. Außer dem bellen, passiert nichts. Unsere Tarta ist heute zum Glück friedfertig. Wir laufen weiter, aber das Dorf scheint hier zu enden, in der Ferne hört man viele Hunde bellen. Mir ist das nicht so geheuer und wir entscheiden das Abendteuer Hundespaziergang abzubrechen. Als wir umdrehen, passiert dann doch das Unverhoffte. Es haben sich einige Hunde versammelt, die uns anbellen und auf uns zu kommen. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie aggressiv sind, aber es ist ein mulmiges Gefühl. Ich denke, wenn man kein Hundeerfahrener Mensch ist, kann einem das ganz schöne Angst einjagen. Tarta bleibt zu meinem erstaunen ruhig und trottet uns hinterher. Wenn einer zu nahe kommt, schicke ich ihn zurück. Ein kleiner schwarzer Mischling findet gefallen an Tarta und sie auch an ihm. Leider war sie bis vor kurzem läufig, was hier mit den vielen Straßenhunden natürlich etwas anstrengend werden könnte. Die beiden Verliebten laufen noch bis zu unserem Gartentor und quieken sich an. Am Eingang macht sich der Kleine dann zum Glück auf die Socken. Hundebabies wollten wir nämlich eigentlich nicht mit nach Hause nehmen.

Den ersten Tag in Rumänien haben wir nicht nur überstanden, er war sogar richtig schön. Wir haben überhaupt keine negativ Erfahrungen gemacht, obwohl wir das zumindest unterbewusst erwartet hätten und freuen uns schon richtig auf die nächsten Tage.

 

Am nächsten Morgen steht das Erkunden des Umlandes auf dem Plan. Wir düsen mit dem Auto los und erkunden die umliegenden Dörfer. Man muss ein wenig vorsichtig fahren, denn die Anwohner laufen auf der Straße, weil es keine Fußwege gibt. Auch muss man auf die Hunde achten, die hier und dort über die Straße laufen. Es ist schon sehr interessant, dass dieses Land in seiner Entwicklung, der unseren um Jahrzehnte hinterherhinkt. Wie eine kleine Zeitreise.

Wir möchten zum Astra-Freilichtmuseum am Rande von Sibiu/Herrmannstadt. Nach dem wir etwas willkürlich umherfahren, fragen wir doch google um Rat. Unsere Route führt uns auf einen Feldweg und wir schnuppern etwas Offroadluft. Der Vito ist nicht zu unterschätzen. Unser Feldweg wird irgendwann doch eher zu einer Wiese und langsam aber sicher wird es holprig, die Schlaglöcher werden zu kleinen Gruben und wir müssen sehr vorsichtig fahren. Dann müssen wir sogar einen kleinen Bach kreuzen. Wir müssen lachen und fühlen uns wie im falschen Film. Was denkt sich google nur dabei? Irgendwann sehen wir in der Ferne eine Landstraße und wir atmen auf, denn auch der Tank möchte so langsam gefüttert werden. Endlich wieder auf Asphalt, sind wir glücklich, dass unser Hugo keinen Schaden genommen hat. Doch dann hören wir ein Klacken… klack, klack, klack, klack. Entgeistert schauen wir uns an und schalten das Radio aus. Ich denke noch, dass es sich anhört, als würde jemand Schüsse abgeben. Wir schauen aus dem Fenster und müssen tatsächlich feststellen, dass wir an einem Militärübungsplatz vorbeifahren. Unwillkürlich fangen wir an zu lachen und malen uns aus, was alles hätte passieren können, wenn wir weiter in der Pampa rumgedüst wären. Noch mal Glück gehabt!

 

Im Prinzip ist das Astra-Museum ein großer Park, ideal zum spazieren. Hier wurden traditionelle Häuser aus verschiedenen Epochen rekonstruiert und eine Art Dorf erbaut. Nach einer kurzen Absprache mit der Dame an der Kasse dürfen wir Tarta mit in den Park nehmen. Wir schlendern gemütlich los, zum Glück ist das Wetter toll. Ein kleines Stück am See entlang, erreichen wir einen Waldrand. Überraschend besucht uns ein kleines Wiesel. Wir beschäftigen uns sicherlich eine halbe Stunde mit dem kleinen Tierchen, das keine Anzeichen macht uns davon zu laufen. Ein putziges Tierchen.

Nach einer Weile erreichen wir ein Gasthaus, aus dem bereits volkstümliche Musik schallt. Wir setzen uns an einen der Außentische und bestellen uns Kohlrouladen mit Mamaliga, dem traditionellen Maisbrei, und Krautsalat und Malte gönnt sich einen gemischten Fleischteller. Wir lieben es.

1 Kommentar

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