Istanbul – Handeln wie die Weltmeister

Holzkohlekamin, ohne Pause im Einsatz

Eigentlich gerade erst gefrühstückt, machen wir uns auf die Suche nach dem besten Balik Ekmek, zu deutsch Fischbrötchen. Wir haben gelesen, dass man es am Fischmarkt bei der Galatabrücke findet. Dort angekommen, finden wir leider niemanden, der uns ein Fischbrötchen zubereitet, setzten uns aber erst einmal ein wenig an den Bosporus und lassen die Seele baumeln. Wir wundern uns etwas über drei junge Menschen, die mit einer Bierflasche posieren und Fotos davon machen. Ist das hip? Wenige Augenblicke später sprechen sie uns an und bitten uns einfach so sitzen zu bleiben und dabei das Bier zu halten, wir willigen erst einmal ein und sind Mittelpunkt eines kleinen Fotoshootings. Danach fragen wir dann aber doch, was es damit auf sich hat. Die Drei erklären uns in einem ganz passablen Englisch, dass es in der Türkei illegal ist für Alkohol zu werben und das es sich hierbei um eine Art „underground Werbung“ handelt, die lediglich im Netz zu finden sein wird. Kurzzeitig kommt der kleine Rebell in uns raus und wir finden es klasse, Teil dieses Protestes zu sein. Ich nutze die Gelegenheit und frage wo wir das beste Balik Ekmek bekommen. Die Drei erzählen uns, dass sie so etwas eigentlich gar nicht essen und es sich hierbei eher um ein Touristenessen handelt. Ich muss etwas schmunzeln, denn die meisten Reiseblogs, die ich gelesen habe, empfehlen diese „Istanbuler Delikatesse“ auf´s Wärmste. Eines der Mädchen sagt uns noch, dass die meisten Fischbrötchen auf der anderen Seite der Galatabrücke aus den bunt geschmückten Booten verkauft werden, dann verabschieden wir uns. Wir haben eines dieser Brötchen probiert und können es nicht weiterempfehlen. Das Brötchen ist weich, der Fisch hat viele Gräten und es sind definitiv zu viele rohe Zwiebeln darauf. Wir mögen von unseren Fischbrötchen an der Ostsee verwöhnt sein, aber das war tatsächlich ein Flop auf ganzer Linie. Sehr zu empfehlen sind im Gegenzug, die kleinen frittierten und mit Zuckerwasser übergossenen Donuts, die man gleich neben den hübschen Booten bekommt. Aber Achtung, Kalorien sollte man nicht zählen.

Es geht weiter in Richtung großen Basar, denn hier in der Nähe soll sich Istanbuls ältestes Teehaus befinden. Das erste Stück lassen wir uns noch von googlemaps leiten, dann müssen wir nur noch der Nase folgen, denn es riecht schon verdächtig nach Shisha. Wir stehen vor einem unscheinbaren Steintor. Zuerst traue ich mich gar nicht einzutreten, denn ich weiß, dass in einigen Teilen der Türkei nur Männer das Vergnügen eines Teehauses genießen dürfen. Dann überwinde ich mich, schließlich sind wir in der Weltstadt Istanbul. Natürlich habe ich mir unnötiger Weise Sorgen gemacht, es sind etwa ebenso viele Frauen wie Männer in dem gemütlichen Innenhof. Wir laufen an einem großen Holzkohlekamin vorbei, in ihm die heißen Kohlen, darauf die heißen Töpfe, die zum verteilen der heißen Ware zum Abholen bereit stehen. Überall im Gang stehen wunderschöne Wasserpfeifen, eine außergewöhnlicher als die andere. Wir werden an einen gemütlich, orientalischen Tisch begleitet und werden nach der gewünschten Tabaksorte gefragt. Wir fragen, welches denn die beste Geschmacksrichtung sei und bekommen Apfeltabak vorgesetzt, dazu wie immer der leckere Cay aus hübschen, kleinen Gläsern. Wir sitzen dort also bei traumhaften Wetter, rauchen Shisha und bewundern das schöne Dekor. Ab und zu kommt ein netter junger Mann vorbei und legt uns frische Kohle aus einem der heißen Blechtöpfe nach. Als mir dann doch etwas schwindelig wird, beschließen wir zu gehen und die Gelegenheit zu nutzen einige Sachen im großen Basar einzukaufen.

Der Große Basar ist eine wirkliche Reizüberflutung, aber wir haben das Gefühl, wir wissen  inzwischen wie der Hase läuft und wollen nun auch handeln wie die Weltmeister. Erstmal ein paar der schönen kleinen Teegläser besorgen, schließlich wollen wir den Cay auch Zuhause weiter trinken. Bei einem der Verkäufer, der nicht so aufdringlich ist wie viele seiner Kollegen, machen wir Halt. Unsere Wahl fällt auf ein Set aus Gläsern mit Goldelementen, ein bisschen kitschig muss sein, es ist schließlich türkisch und hier gilt häufig „mehr ist mehr“. Ich behaupte jetzt mal, wir waren ganz gut im Handeln. Letzten Endes zahlen wir etwas mehr als die Hälfte des angesetzten Preises. Mit dem Gefühl ein super Geschäft gemacht zu haben (das hat der Verkäufer vermutlich auch), sind wir noch ganz motiviert und besorgen Geburtstagsgeschenke für einige unserer Lieben. Auch hier stellen wir uns nicht ganz doof an. Istanbul ist im Übrigen eine gute Schule für Marrakesch, wie wir später noch merken werden.

Bevor wir zum Hotel aufbrechen, essen wir im „Sinas“ zu Abend. Das ist ein süßer, kleiner vegetarischer Laden in Galata, der zwar eine kleine Karte hat, aber dafür seine Gerichte umso besser zubereitet. Wir empfehlen die „Pancakes“, die sich als eine Art dünne Teigtasche herausstellen und mit leckem Käse gefüllt sind. Wie immer sitzen bei uns, oder wenigsten einige Meter von uns entfernt, einige Katzen und machen einen Lenz.

Was uns nicht bekannt war, Istanbul ist eine wahre Katzenstadt. Hier laufen überall kleine Kätzchen herum und man sollte nicht denken, es würde ihnen hier schlecht gehen, ganz im Gegenteil: vor nahezu jedem Geschäft liegt ein Kissen und Katzenfutter bereit. Besonders der Katzenmann in der Isteklal Caddesi wird mir in Erinnerung bleiben, jeden Tag hockte er auf seiner Treppenstufe und um ihn herum tummelten sich die Katzen. Ich wette bei einem nächsten Besuch wird er immer noch dort sitzen und die kleinen Tiger streicheln und füttern – ein schönes Bild.

2 Kommentare

  1. Also: die Fischbrötchen auf eurem Foto sind definitiv nicht die, bei denen mir noch in der Erinnerung das Wasser im Munde zusammenläuft. Sie werden auch nicht vormittags verkauft, sondern eher nachmittags bis abends, und zwar am Fuße der Galatabrücke auf der Karaköy-Seite, am besten zwischen dem Anleger des Schiffsverkehrs* zwischen dort und dem asiatischen Teil von Istanbul und Karakoy, den man mit seinem *Tagesticket des Istanbuler ÖPNV beliebig oft nutzen kann. Der Fisch in diesen Brötchen ist frisch gegrillt und zusammen mit einem köstlichen gemischten Salat aus Tomaten, Zwiebeln, diversen Kräutern (Dill, frischer Pfefferminze, Petersilie usw.) in die Brötchen gefüllt. Falls ihr das nicht doch noch an eurem letzten Tag entdeckt habt, gibt es einen weiteren Grund, Istanbul noch einmal zu besuchen. Sie sind ziemlich billig und wurden auch von den Leuten gegessen, die hungrig nach der Arbeit vom Schiff kamen.
    Weiß sowieso im Moment nicht mehr, ob ihr auch per Linienboot auf der asiatischen Seite wart. Dort gibt es die in meiner Erinnerung leckersten Schnellrestaurants.
    Ansonsten müssen wir uns von euch auf unserem Stadtplan von Istanbul nochmal einkreisen lassen, wo ihr es so besonders toll fandet. Ich will nämlich nach duren Berichten mehr denn je auch nochmal nach Istanbul………

    1. Hallo Almut! Dein Fischbrötchen klingt so viel leckerer, als das unsere. Ich denke, wir waren an der richtigen Stelle, aber vermutlich war es einfach noch zu früh. Gut, dass wir jetzt sicher wissen, dass es diese leckere Fischbrötchen wirklich gibt – bei dem nächsten Besuch machen wir uns definitiv noch einmal auf die Suche.
      Vor deiner nächsten Reise können wir dir gern noch einmal einzeichnen, wo wir es am schönsten fanden. Aber du scheinst dort auch schon ganz gut rum gekommen zu sein, wir nehmen gleichzeitig auch gerne Tipps von dir an!
      Liebe Grüße aus Südspanien!

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